Holzbiene am Federbachdamm
(Ludwig Schulz)
Der im Bereich des Naturschutzgebiets Rheinniederung zwischen Au am Rhein, Durmersheim und Rheinstetten gelegene Abschnitt des Federbachdamms ist besonders wertvoll. Auf dem Damm findet man unter anderem die letzten uns in Rheinstetten bekannten Bestände des Gelben Sonnenröschens (Helianthemum nummularium). Das Sonnenröschen ist ein beeindruckendes Beispiel für die immens wichtige Rolle, die einzelne Arten in einem Ökosystem spielen können. 28 Wildbienenarten nutzen den Pollen der Pflanze. Die Sandbiene Andrena granulosa ist auf Sonnenröschen (und andere, hier nicht vorkommende Cistrosengewächse) angewiesen. Rüsselkäfer wie der Sonnenröschenstecher (Pseudomechoris aethiops), der Borstiger Sonnenröschen-Spitzmaulrüssler (Phrissotrichum rugicolle), der Winzige Sonnenröschen-Spitzmaulrüssler sind auf das Sonnenröschen ebenso angewiesen wie die Sonnenröschen-Lederzikade (Batracomorphus irroratus). Auch Blattkäfer wie der Grünliche Sonnenröschen-Erdfloh (Aphthona herbigrada), der Rotfüßige Sonnenröschen-Erdfloh (Mantura mathewsii) und der Rote Sonnenröschen-Fallkäfer (Cryptocephalus primarius) sind auf die Pflanze spezialisiert. Und nicht zuletzt gibt es 13 Schmetterlingsarten, deren Imagines das Sonnenröschen als Nahrungsquelle nutzen, und 15 Arten, deren Larven das Sonnenröschen als Nahrungsquelle nutzen. Die Larven von 5 Arten leben in den Stängeln des Sonnenröschens.
Auch der in Baden-Württemberg stark gefährdete Arzneihaarstrang (Peucedanum officinale) wächst auf dem Federbachdamm. 2019 fanden Mitglieder des BUND Rheinstetten während einer Exkursion unter der Führung von Dr. Karl Hermann Harms dort den gelblich-weißen Kot in Form von Bohrmehlhäufchen der sehr seltenen, akut vom Aussterben bedrohten und europaweit streng geschützten Haarstrangwurzeleule (Gortyna borelii). Dies war der erste Nachweis im südlichen Landkreis seit Jahrzehnten. Die Haarstrangwurzeleule ist ein Eulenfalter, der in Deutschland nur noch isoliert an sehr wenigen Standorten vorkommt.
Mit etwas Bedauern haben wir während der letzten Jahre die Entwicklung der östlich bzw. südöstlich vom Damm gelegenen Oberen Wiesen beobachtet. Nach jahrelanger, intensiver landwirtschaftlicher Nutzung haben diese sich bislang nur sehr artenarm entwickelt. Wir hoffen, dass die im Zuge des Polders Bellenkopf-Rappenwört auf den Oberen Wiesen geplanten Ausgleichsmaßnahmen zu einer Aufwertung der Fläche führen.