Europäische Wildkatze (Felis silvestris) - zurück im Rheinstettener Wald
Rückkehr bereits 2010 vom BUND Rheinstetten nachgewiesen
(Ludwig Schulz)
Aktive des BUND Rheinstetten waren zwischen 2010 und 2012 aktiv an der Suche nach den scheuen Waldbewohnern im Landkreis Karlsruhe beteiligt. Sie wurden aktiv nach dem Fund zweier Wildkatzen im Landkreis Rastatt im Jahr 2009. Mit der Baldrian-Lockstock-Methode gelang es dem BUND Rheinstetten im Kastenwört "positiv gestestete" Haarproben zu gewinnen. Insgesamt 22 Wildkatzen-Haarproben wurden durch das Senckenberg-Institut, das die genetischen Analysen durchführt, bestätigt. Mittels der so genannten Mikrosatelliten-Analyse konnte dabei der genetische Fingerabdruck von mehreren Wildkatzen-Individuen erfasst werden. 2025 haben wir das Wildkatzenmonitoring wieder aufgenommen und wiederum Wildkatzen sowohö in der Altaue als auch in der rezenten Aue nachgewiesen.
Um die Wiederansiedlung der Tiere in der Region dauerhaft zu sichern gibt es viel zu tun. Wir setzen uns deshalb insbesondere für Fortschritte bei der Wiedervernetzung von Lebensräumen ein, sei es in Flurbereinigungsverfahren - wie z.B. über den so genannten „Wildkatzenkorridor“ bei Durmersheim - oder beim Bau von Grünbrücken und Durchlässen.
Die größte Gefahr für die noch kleine Wildkatzenpopulation geht von unkastrierten Freigänger-Hauskatzen aus. Diese können sich mit Wildkatzen verpaaren, was zu einer Vermischung beider Arten führen kann. Diese sogenannte Hybridisierung kommt vor allem in Baden-Württemberg vor und kann langfristig die genetische Eigenständigkeit der Wildkatze gefährden. Wichtige Anpassungen der Wildkatze an ihren Lebensraum drohen verloren zu gehen. Zudem können Hauskatzen Krankheiten übertragen, die oft für Wildkatzen tödlich sind. Wie eine Untersuchung des BUND Anfang 2025 ergab, ist der Grad in der Hybridisierung in Rheinstetten noch vergleichsweise gering. Allerdings bestätigt der Nachweis einer F2 Hybride (Rückkreuzung Hybrride/Wildkatze) im Karlsruher Teil des Kastenwörts, dass auch unsere Wildkatzenpopulation akut durch nicht kastrierte streunende Hauskatzen bedroht ist.
Durch die Kastration verhindern Haustierhalter die Vermischung von Haus- mit Wildkatzen und vermeiden gleichzeitig, dass noch mehr verwilderte Hauskatzen unter elenden Bedingungen leben müssen. In Baden-Württemberg gibt es solche Verordnungen bereits in über 150 Kommunen.
Der Idas-Bläuling (Plebejus idas)
Die Mörscher Heide muss Schutzgebiet werden
(Ludwig Schulz
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Ludwig Schulz)
Der Idas-Bläuling (Plebejus idas), auch Ginsterbläuling genannt, ist ein Schmetterling, für den wir in Rheinstetten eine ganz besondere Verantwortung tragen. Die Population in der Mörscher Heide auf dem Gelände der ehemalige Standortschießanlage ist eines von zwei noch bekannten Vorkommen in Baden-Württemberg. Durch den Rückgang von mit Besenginster bewachsenen, sandigen Flächen ist die Art bei uns akut vom Aussterben bedroht. Auch der Bestand in der Mörscher Heide hat durch vergangene Aufforstungsmaßnahmen und einen Rückgang des Nektarangebots gelitten. Der BUND Rheinstetten wird sich weiterhin für den Bestand und Schutz der Mörscher Heide als wichtiges Offenlandbiotop im Hardtwald einsetzen.
Der Dunkelblaue Laufkäfer - großer Raubkäfer im Totholz des Hardtwalds
Dunkelblauer Laufkäfer
(Babette Schulz
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Babette Schulz)
Eigentlich bevorzugt er Mittelgebirgslagen und ist im Flachland nur selten zu finden. Im Herbst 2021 konnten wir allerdings einige Exemplare des Dunkelblauen Laufkäfers (Carabus intricatus) im nordöstlichen Teil des Rheinstettener Hardtwald nachweisen. Der große, tagaktive Räuber ist bereits seit Mitte 1986 in der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Deutschland bildet geographisch das Zentrum des Verbreitungsgebiets dieser Art. Etwa 1/10 der weltweiten Population ist bei uns heimisch. Entsprechend groß ist die Verantwortung, die wir für den Erhalt dieser Art tragen. Der Käfer ist auf Totholz als Lebensraum angewiesen. Wir werden die lokale Population und ihre Entwicklung weiter beobachten.
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling - Auch in Rheinstetten immer seltener
Maßlose Baupolitik und Mangel an Lebensraum gefährden den Schmetterling auch in Rheinstetten
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist leider ist er immer seltener zu finden. Grund dafür ist insbesondere seine starke Spezialisierung. Zunächst einmal braucht der Schmetterling eine Wiese, auf der genug Wiesenknopf wächst. Er ernährt sich von ihm, balzt, paart sich, und schläft auf dem Wiesenknopf. Und er legt schließlich auch seine Eier in den Wiesenknopf. Ohne Wiesenknopf kein Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Als Raupe frisst sich der Bläuling von innen durch die Blüte des Wiesenknopfs und lässt sich schließlich auf die Wiese fallen. Für den Fortbestand der Art ist es unumgänglich, dass die Raupe auf eine Wiese fällt, auf der auch eine von zwei bestimmten Arten von Knotenameisen leben. Wenn dann ein Trupp Rotgelber Kontenameisen an der Raupe vorbeikommt, sind die Ameisen dermaßen von ihrem Geruch entzückt, dass sie die Raupe in ihren Bau tragen. Dort frisst sich unser Bläuling einen, manchmal auch zwei Winter lang satt. Bis zu 600 Ameisenlarven kann sie den Winter über verspeisen. Im Gegenzug sondert die Raupe ein zuckerhaltiges Sekret ab, welches die Ameisen verzückt und ihr als Tarnung dient. Wenn der Schmetterling dann im Frühjahr aus der Puppe krabbelt, wird es für ihn lebensgefährlich. Seine Tarnung ist futsch und wenn er sich nicht beeilt, aus dem Ameisenbau zu kommen, wird er Ameisenfutter. Die Art ist europaweit gefährdet und extrem anfällig für Veränderungen ihres Lebensraums. Wird die Wiese zum Beispiel zu kurz gemäht, gefällt es dort den Knotenameisen nicht, denn denen ist es im kurz gemähten Gras zu heiß. Und ohne Ameisen…
Auch in Rheinstetten ist der Dunkle Wiesenknof-Ameisenbläuling selten geworden. Neben Defiziten in der Landschaftspflege hat vor allem die zügellose Baupolitik Lebensräume zerstört (wie zuletzt in der Neuen Mitte).